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Prompt Engineering für lokale Sprachmodelle

Patterns und Anti-Patterns für gemma3, qwen, llama und ähnliche lokale LLMs

Artikel aktualisiert am 25. Juni 2026

Kernerkenntnis: Lokale Sprachmodelle können Musterabgleich, aber nur eingeschränkte Inferenz. Formuliere jede Anweisung so, dass ein Berufsanfänger am ersten Tag sie ohne Fachwissen mechanisch befolgen kann.

Cloud-LLM vs. Lokales LLM

Aspekt Cloud-LLM (GPT-4, Claude) Lokales LLM (gemma3:27b)
Implizite InferenzFunktioniertUnzuverlässig
Vage AnweisungenWerden meist sinnvoll interpretiertWerden ignoriert oder falsch ausgelegt
Beispielfreie AnweisungenOft ausreichendBrauchen Few-Shot-Beispiele
Self-VerificationHilftVerschlechtert oft das Ergebnis
Konditionales VerhaltenSelbst-Inferenz reichtPfade müssen explizit als WENN-DANN ausformuliert sein
Format-TreueHochNur bei expliziten Templates verlässlich
WENN-DANN-Strukturierung: Der wichtigste Hebel

Wenn die richtige Ausgabe von einem Eingabeparameter abhängt, formuliere den Pfad explizit als WENN-DANN-Regel. Lokale Modelle können diese Entscheidung nicht selbst ableiten.

Vorher: Universalanweisung

Schreibe einen Lösungsvorschlag für den Bescheid. Berücksichtige die Anspruchsstruktur und argumentiere passend.

Score: 3.62 (gemma3:27b, 5 Runs)

Nachher: WENN-DANN-Strukturierung

IF nur ein unabhängiger Anspruch betroffen ist: Argumentiere direkt gegen die Entgegenhaltung. IF mehrere unabhängige Ansprüche betroffen sind: Gliedere die Argumentation nach Ansprüchen. IF ein Hilfsantrag nötig ist: Schlage konkrete Einschränkungen aus den abhängigen Ansprüchen vor.

Score: 5.0 (gemma3:27b, 5 Runs)

Generisches Template

IF [Bedingung A]: [Konkrete Handlungsanweisung für A] IF [Bedingung B]: [Konkrete Handlungsanweisung für B] ELSE: [Fallback-Handlung]

Wann WENN-DANN sinnvoll ist

Eingabeparameter WENN-DANN sinnvoll?
Anzahl unabhängiger AnsprücheJa
Vorhandensein von FigurenJa
Sprache des DokumentsJa
Anzahl EntgegenhaltungenJa
Stilistische PräferenzenNein, besser über Few-Shot-Beispiele
Konditionierungs-Trade-off

Je stärker ein Prompt auf eine bestimmte Quelle drängt, desto eher gibt das Modell auf, wenn die Quelle fehlt. Die Lösung: beide Pfade explizit formulieren.

Formulierung Quelle vorhanden Quelle fehlt
Schwach: “Nutze die Beschreibung”Nutzt Quelle teilweiseHalluziniert frei
Stark: “Ausschließlich aus der Beschreibung”Nutzt Quelle zuverlässigGibt leere oder minimale Ausgabe
Konditional: “IF Beschreibung vorhanden: daraus zitieren. ELSE: eigene Formulierung”Nutzt Quelle zuverlässigFallback-Verhalten definiert
Empfehlung: Immer die konditionale Variante wählen. Der Mehraufwand ist minimal, die Robustheit deutlich höher.
Few-Shot statt Zero-Shot

Cloud-Modelle verstehen oft schon aus der Aufgabenbeschreibung, welches Format und welchen Stil du erwartest. Lokale Modelle brauchen konkrete Beispiele im Prompt, mindestens eines, besser zwei bis drei.

Zero-Shot (unzuverlässig)

Formuliere den folgenden Absatz als Patentanspruch um.

Few-Shot (zuverlässig)

Formuliere den folgenden Absatz als Patentanspruch um. Beispiel-Eingabe: "Das Gerät hat einen Sensor, der die Temperatur misst." Beispiel-Ausgabe: "Gerät, umfassend einen Sensor, der dazu eingerichtet ist, eine Temperatur zu erfassen." Jetzt dein Absatz:

Je näher das Beispiel an deinem tatsächlichen Use Case ist, desto besser. Verwende nach Möglichkeit echte (anonymisierte) Texte aus deiner Praxis.

Explizite Output-Templates

Lokale Modelle halten sich nur dann an ein Format, wenn du es wörtlich vorgibst. Beschreibungen wie “gib eine strukturierte Antwort” reichen nicht.

Beispiel: Template mit Platzhaltern

Antworte EXAKT in diesem Format: MERKMAL: [Merkmal aus dem Anspruch] FUNDSTELLE: [Absatz oder Figur aus D1] BEWERTUNG: [neuheitsschädlich / nicht offenbart / teilweise offenbart] BEGRÜNDUNG: [1-2 Sätze]

Besonders wichtig bei Aufgaben, deren Ergebnis weiterverarbeitet wird (z.B. als JSON, CSV oder in tabellarischer Form).

Kürzer ist besser

Lokale Modelle haben ein kleineres Kontextfenster und sind anfällig für den Recency Bias: Je weiter vorne eine Anweisung steht, desto eher wird sie ignoriert. Daraus folgt:

  • Aufgabe ans Ende. Kontext und Beispiele zuerst, die eigentliche Handlungsanweisung zuletzt.
  • Keine langen Einleitungen. “Du bist ein erfahrener Patentanwalt mit 20 Jahren Erfahrung...” hat bei lokalen Modellen keinen messbaren Effekt.
  • Redundanz vermeiden. Dieselbe Anweisung in drei Varianten formulieren verwirrt das Modell eher, als dass es hilft.
  • Fokus auf eine Aufgabe. Mehrere Aufgaben in einem Prompt (z.B. “fasse zusammen UND bewerte”) führen zu schlechteren Ergebnissen als getrennte Aufrufe.
Temperature richtig wählen

Die Temperature steuert, wie “kreativ” das Modell antwortet. Bei lokalen Modellen ist der Effekt stärker als bei Cloud-Modellen:

Temperature Verhalten Geeignet für
0.0 – 0.3Deterministisch, wiederholbarClaim Charts, Konsistenzprüfungen, Formatierung
0.3 – 0.7Leichte VariationBeschreibungsentwürfe, Zusammenfassungen
0.7 – 1.0Kreativ, aber weniger vorhersagbarBrainstorming, Alternativformulierungen
Faustregel: Für juristische Texte in der Patentpraxis fast immer Temperature ≤ 0.3 verwenden. Bei höheren Werten neigen lokale Modelle zu Halluzinationen und Formatbrüchen.
Explizites Wissen statt implizitem

Eine Norm zu nennen heißt nicht, ihren Inhalt mitzuliefern. “Argumentiere unter Art. 54, 56, 84, 123(2) EPÜ” setzt voraus, dass das Modell weiß, was jede Vorschrift verlangt. Große Cloud-Modelle haben diese Zuordnung meist gelernt; kleinere lokale Modelle vertauschen Neuheit und erfinderische Tätigkeit oder erfinden eine plausibel klingende Anforderung. Nenne die Norm, aber schreibe die konkrete Anforderung dazu.

Vorher: nur die Fundstelle

Du argumentierst präzise unter dem EPÜ (Art. 54, 56, 84, 123(2)).

Nachher: Fundstelle + Anforderung

Du nennst je Einwand die Norm samt ihrer Anforderung: - Neuheit (Art. 54): kein einzelnes Dokument offenbart alle Merkmale. - Erfinderische Tätigkeit (Art. 56): nicht naheliegend aus dem Stand der Technik. - Klarheit (Art. 84): der Anspruch ist deutlich, knapp und von der Beschreibung gestützt. - Keine unzulässige Erweiterung (Art. 123(2)): nichts geht über die ursprüngliche Offenbarung hinaus.
Grundregel: Verlass dich im Prompt nie allein auf implizites Wissen. Definitionen, Maßstäbe und Prüfschemata, die das Modell anwenden soll, gehören explizit in den Kontext, nicht nur ihre Fundstelle. Das ersetzt nicht die Belegpflicht: der Mensch prüft die Ausgabe weiterhin gegen den Gesetzestext.

Anti-Patterns: Was nicht funktioniert

Anti-Pattern Warum es schadet
Self-Verify (“Prüfe deine Ausgabe”)Filtert echte Befunde weg, statt Fehler zu korrigieren
Rollen-Boilerplate (“Du bist ein erfahrener Patentanwalt”)Kein messbarer Effekt bei lokalen Modellen
Offene Vermeidungsregeln (“Vermeide Wiederholungen”)Werden ignoriert, konkrete WENN-DANN-Regeln nötig
Implizite Stilanweisungen (“Schreibe professionell”)Modell kennt keine Konventionen, Few-Shot-Beispiele verwenden
Lange Begründungen vor der AufgabeRecency Bias, Modell gewichtet das Ende des Prompts stärker

Praktische Empfehlungen

  1. Jede Bedingung explizit machen. Wenn das Ergebnis vom Input abhängt, WENN-DANN formulieren. Nie darauf vertrauen, dass das Modell die richtige Entscheidung selbst trifft.
  2. Beide Pfade ausformulieren. Nicht nur den Hauptpfad beschreiben, auch den Fallback explizit angeben. Sonst gibt das Modell bei fehlender Eingabe leere Antworten.
  3. Few-Shot-Beispiele nutzen. Gut formulierte Kanzleiarbeit (anonymisiert) ist das wirksamste Mittel, um die Ausgabequalität zu heben.
  4. Mit verschiedenen Eingaben testen. Ein Prompt, der bei Maschinenbau-Patenten funktioniert, kann bei Software-Patenten versagen.
  5. Aufgabe an das Ende des Prompts. Kontext und Beispiele zuerst, die eigentliche Handlungsanweisung zuletzt. So nutzt du den Recency Bias zu deinem Vorteil.
Basierend auf Erfahrungen mit gemma3:27b, gemma4:26b und qwen3.5:27b.

Inhalte teilweise KI-generiert, kuratiert von Sebastian Goebel. Dies ist keine Rechtsberatung, sondern Trainingsmaterial für meine Workshops. Keine Gewährleistung für Richtigkeit oder Vollständigkeit. Keine Haftung. Software wird ohne Mängelgewähr bereitgestellt.