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4 Level von KI-Praktiker

Ein Kompetenz-Framework für Patentanwälte: von Qualitätsprüfung bis zu eigenen Agenten.

Artikel aktualisiert am 29.04.2026

Kernbotschaft: KI-Kompetenz ist auch eine Frage der Arbeitsorganisation. Die oberen Level trennen sich vom Einstieg durch systematische Integration in den Alltag, nicht durch bessere Prompt-Tricks.

Warum ein Level-Modell?

Der Einstieg in KI-Werkzeuge ist in jeder Kanzlei ein Flickenteppich: einzelne Mitarbeiter probieren ChatGPT aus, andere bleiben bei der klassischen Recherche. Ein Level-Modell macht die Progression sichtbar und gibt jedem Teilnehmer eine Richtung: wo stehe ich, und was wäre der nächste Schritt, der sich für meine Arbeit lohnt?

Das Modell ist auf die Patentpraxis zugeschnitten und bewusst schlank gehalten. Die Level sind kumulativ: wer Level 4 erreicht hat, löst Level-1-Aufgaben trotzdem in einer Minute.

Die 4 Level, patent-spezifisch

1

Gelegenheitsnutzer

ChatGPT punktuell, ein paar Mal im Monat: Umformulierung, Begriffserklärung, Qualitätscheck eines Textes. Keine feste Struktur, keine Belegpflicht.

Menschliche Kern-Skill: Bewusstsein, dass es das Werkzeug gibt.

Nächster Schritt: Die Prompting Library öffnen und einen Prompt gezielt für eine wiederkehrende Aufgabe ausprobieren. Für den strukturierten Einstieg den Generative-KI-Kurs durchgehen.

2

Systematischer Nutzer

Arbeitet mit Context Engineering: pro Aufgabe ein frischer Chat mit genau den relevanten Dokumenten. Belegpflicht ist internalisiert, jede KI-Aussage wird mit Zitat und Fundstelle erwartet. Self-Reflexion am Ende jeder Analyse.

Menschliche Kern-Skill: Selbstdisziplin, die eigenen Arbeitsschritte konsequent strukturieren.

Nächster Schritt: Einen fachspezifischen Prompt mit erzwungener Schrittfolge durchlaufen: Schutzbereichs-Prompt (15 Schritte) oder Bescheidserwiderung-Prompt (5 Schritte).

3

Workflow-Nutzer

Ganze Workflows laufen KI-gestützt: definierte Schritte mit je eigenem Prompt, Drafter-/Reviewer-Trennung bei kritischen Passagen, Advocatus-Diaboli-Pass als Standard. Context Engineering (Context Engineering) läuft auf diesem Level bereits automatisiert ab — der Workflow legt pro Schritt die richtigen Dokumente vor, der Anwalt muss keinen Chat mehr von Hand kuratieren. Qualitätsstandards sind formalisiert, Abweichungen werden bewusst begründet.

Menschliche Kern-Skill: Systemdenken, die Bearbeitung als Prozess sehen.

Nächster Schritt: Das Agent-Framework lesen und Multi-Model-Workflows im nächsten kritischen Mandat bewusst einsetzen.

4

Werkzeugmacher

Baut eigene Skills, Prompts und Automationen für die Kanzlei. Datenanalyse, Prior-Art-Beobachtung und Recherche-Synthesen laufen teilautomatisch, der Anwalt prüft Ergebnisse statt sie zu erzeugen. Schult Kollegen und hält die KI-Governance aktuell.

Menschliche Kern-Skill: Leadership, eine KI-Kultur aufbauen und pflegen.

Nächster Schritt: Das Patent-Plugin installieren, erste eigene Skills im SKILL.md-Format schreiben und ein kleines n8n-Projekt starten, z.B. eine Prior-Art-Beobachtung. Der Claude Code Guide erklärt das Skill-Format.

Selbsteinschätzung in 30 Sekunden

Die Fragen in der Reihenfolge, bis Du eine mit „Nein" beantwortest. Dort stehst Du gerade. Das Level darüber ist Dein nächster Schritt.

  1. Nutze ich KI für meine Arbeit mindestens einmal pro Monat? (Level 1)
  2. Starte ich für jede Aufgabe einen frischen Chat mit genau den relevanten Dokumenten und halte Belegpflicht ein? (Level 2)
  3. Läuft mindestens ein Workflow komplett KI-gestützt mit Drafter-/Reviewer-Pass (z.B. Bescheidserwiderung)? (Level 3)
  4. Habe ich mindestens einen eigenen Skill oder eine Automation gebaut, die auch Kollegen nutzen? (Level 4)

Warum die Progression nicht linear ist

Nicht jede Kanzlei muss Level 4 erreichen. Eine Boutique-Kanzlei profitiert oft mehr von einem sauberen Level 2 als von einem halbgaren Level 3. Die entscheidende Frage ist: welche Level-Kombination passt zu meinem Mandatsportfolio und meinem Team?

Typisch ist auch, dass verschiedene Workflows auf verschiedenen Leveln laufen. Bescheidserwiderung auf Level 3 mit Drafter-/Reviewer-Pass, FTO auf Level 2 mit Context Engineering und Belegpflicht, Drafting auf Level 3 mit formalisiertem Ablauf und lokalem Modell. Jede dieser Kombinationen ist legitim.

Verbindung zu den anderen Säulen

Die Level bauen auf den vier Säulen für Prompt Engineering in der Patentpraxis auf. Ab Level 2 werden sie zur Grundausstattung:

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